Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater,
und dem Herrn Jesus Christus.
[Amen.]
Jubelt! Die Macht des Todes ist gebrochen.
Christus ist auferstanden. Durch seine Auferstehung kann uns in dieser Welt nichts mehr anhaben. Das Ende der alten Welt ist angebrochen. Wir sind – in unserer Taufe – für die Welt gestorben und haben Anteil an dem Sieg über den Tod. Wir dürfen getrost Jubeln über den Sieg Gottes!
Das klingt ganz gut – aber doch etwas optimistisch?[Pause]
Die Menschen sterben doch immer noch? Werden wir jetzt anders alt? Verfällt nicht unserer Körper genau wie vor Christi Kreuzigung mit der Zeit? Wird unser kurzes Leben nicht ebenso vergehen und vergessen werden? Ist es nicht unglaubwürdig von dem *Sieg des Lebens* über den Tod zu sprechen, wenn wir verfallen?
Im Predigttext für diesen Sonntag spricht Paulus von genau diese Paradoxie. Er schreibt folgendes an seine Gemeinde in Korinth:
»Deshalb verlieren wir nicht den Mut.
Wenn auch unser äußerer Mensch verfällt,
so wird doch der innere von Tag zu Tag erneuert.
Denn die leichte und gegenwärtige Last
ruft in uns einen göttlichen Glanz hervor,
der über alles Maß hinaus geht.
Für uns, die wir nicht das Sichtbare im Blick haben,
sondern das Unsichtbare.
Denn das Sichtbare ist zeitlich,
das Unsichtbare aber ist ewig.«
Nochmal in eigenen Worten gesagt: Er sagt
Wir können Zuversichtlich sein, denn auch wenn wir jetzt verfallen, krank sind und leiden, wird – in uns – täglich der innerer Mensch erneuert.
Unsere Last ist jetzt und hier zeitlich beschränkt und ertragbar,
führt aber zu einer göttlichen Herrlichkeit, die alles übersteigt.
Daher sollten wir nicht so sehr auf das Offenkundige achten, sondern auf etwas Verborgenes. Weil jenes, was wir hier erkennen können, zeitlich begrenzt ist. Das Unsichtbare dagegen, Gottes Herrlichkeit, aber ist ewig.
Zu Paulus Ausführungen fallen mir zwei Punkten ein, die mir wichtig wären.
Einerseits spricht Paulus von dem inneren und den äußeren Menschen. Mir wäre wichtig, dass man nicht den inneren unsichtbaren Menschen mit den Verstand — und den äußeren vergänglichen mit dem Körper identifiziert.
Auch unserer Geist ist vergänglich und verletzbar: Wir vergessen – werden von Erinnerungen geplagt. Unsere innersten Gefühle können uns fremd werden und auch unser Wille verändert sich und kann krank werden.
Auf der anderen Seite ist unserer Körper ein echter Teil von uns und keine Maschine. Weil auch Christus leiblich auferstanden ist, hoffen wir auf die Auferstehung des Fleisches – in echtem (wohl aber verwandeltem) Körper und Geist.
Paulus hat vor dem gelesen Bibel-Abschnitt ein Bild für den Menschen verwendet. Auf dieses bezieht sich das Innen und Außen: Er schrieb, dass der Mensch wie ein zerbrechliches Tongefäß sei. Zu seiner Zeit eine Alltags-Verpackung – wie eine Plastiktüte – die man, nach ein paar Nutzungen weggeschmissen hat, da sie schnell kaputt gingen. In diesen Tongefäßen, sei die Kraft Gottes (vielleicht wie Münzen) verborgen. Als etwas etwas fremdes, was man von Außen nicht sehen kann.
Es geht ihm dabei darum, dass dieses Geschenk Gottes für den Menschen etwas fremdes ist, dass man den Gefäßen gerade nicht ansehen kann, welches Wunder Gott an ihnen tut.
Innen und Außen beziehen sich nicht auf Körper und Geist, sondern auf das Verhältnis von Gottes Wirken und unseren eigenen Fähigkeiten.
Der andere Punkt, der mir bei dem Text wichtig ist, ist folgender:
Paulus schreibt, dass das Elend nur leicht sei und einer ewigen Herrlichkeit gegenüber stünde.
Daraus ließen sich zwei gegenteilige Folgerungen ziehen, die ich beide ablehne:
Wenn man die Herrlichkeit nicht sehen kann und alles erkennbare zeitlich ist, könnte man sagen, sei ist besser sich auf hiesige zu konzentrieren und das kleine Glück im jetzt und hier zu genießen.
Oder in der gleichen Konsequenz, alles weltliche zu verachten, asketisch zu leben und aus der Welt in das Gebet oder in die Meditation zu fliehen.
Beide Möglichkeiten ignorieren die Verbindung von Ewigen und Zeitlichem, also von Gottes wirken in der Welt, das Paulus anspricht.
Einerseits – sagt er – schaffe die weltlich zeitliche Existenz die ewige göttliche Herrlichkeit hier und jetzt, jeden Tag neu. Das Ewige ist nicht das Gegenteil von zeitlich und sondern es umfasst auch das Hier und Jetzt.
Anderseits ist Christus echter, leidender, kranker Mensch geworden. Und weil wir – wie er – sterben, werden wir – wie er – auferstehen.
Gottes Herrlichkeit ist also nicht etwas ganz jenseitiges, sondern Teil unserer Existenz, nicht aber mit ihr Identisch.
Paulus sagt wir sollen auf dieses Unsichtbare sehen. Es ist verborgen, aber doch schon da und nicht folgenlos für unser Sehen. Es verändert die Perspektive. Es schafft eine Distanz zum Leid, ohne es zu verlassen. Im Sichtbaren wird das Unsichbare im Glauben sichtbar.
Und wie passt nun unser Osterjubel zum Leiden dieser Welt?
Wenn auch unser äußerer Mensch verfällt,
verlieren wir nicht den Mut,
wird doch der innere Mensch von Tag zu Tag erneuert.
Denn das leichte, gegenwärtige Leiden
ruft in uns einen göttlichen Glanz hervor,
der über alles Maß hinaus geht.
In uns, die wir nicht das Sichtbare im Blick haben,
sondern das Unsichtbare.
Denn das Sichtbare ist zeitlich,
das Unsichtbare aber ist ewig.«
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft,
bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.
[Amen.]
Lied nach der Predigt
EG 113, 1.2.5.
Jubilate 2012